Wie man mit einer Schule viele Leben verändert

Das Mitmach-Projekt „Nie wieder Krieg!“ von Soroptimist International (SI) Lauterbach-Vogelsberg stellt das Engagement für den Frieden in den Fokus. Im Rahmen des Projektes begrüßte SI-Vizepräsidentin Imke Grünewald Melanie Schillinger von „Zeltschule e.V.“, die als stellvertretende Vorstandsvorsitzende die Arbeit des Vereins im Posthotel Johannesberg in Lauterbach vorstellte.

So unvergesslich die Bilder, so eindrücklich das Geschehene und Geleistete, das aus der Idee einer einzelnen Frau in nur fünf Jahren erwuchs. Sichtlich bewegt berichtete Melanie Schillinger vom Entstehen des Vereins, der auf Jacqueline Flory zurückgeht, die 2015 mit Ankunft der ersten Geflüchteten überlegte, wie man den Menschen bereits vor Ort helfen könnte. Die Übersetzerin für Arabisch und engagierte Mutter fand mit ihrer Idee zunächst Unterstützung an der Schule ihrer Kinder, schnell wurde mehr daraus. Der Verein wurde 2016 gegründet, begann unmittelbar mit seiner Arbeit - die Presse berichtete. Seitdem wurden mehr als 38 Schulen in Zelten der Flüchtlingscamps gegründet, die 7.500 Kindern Bildung und Perspektive bieten, und viel mehr als das: Der Verein versorgt täglich 34.000 Menschen mit Wasser und Lebensmitteln, denn wo eine Schule in einem Camp entsteht, verändert sich das Leben aller dort lebenden Menschen.

Syrische Familien fliehen über das Gebirge in den Libanon, und suchen sofort hinter der Grenze Zuflucht in einem der wilden Camps. Als Syrer im Libanon ist den Geflüchteten nichts erlaubt: kein Besitz, keine Arbeit. Nur für Kinder ist Arbeit „zugelassen“, so dass diese ihre ganze Familie im Camp versorgen müssen. Das nackte Überleben lässt keinen Spielraum für Bildung.

Und genau dort setzt die Arbeit von „Zeltschule“ an: Mit dem Bau einer Zeltschule gehen alle Kinder des Camps in den Unterricht, und der Verein übernimmt die Versorgung der Familienmitglieder, so dass die Kosten für Lebensmittel und vor allem Wasser die Kosten für die Errichtung einer Schule wesentlich übersteigen. Aber mit der Bildung werden nicht nur Kenntnisse vermittelt, sondern Perspektiven geschaffen: Alphabetisierungskurse und Workshops für Frauen sowie Selbstversorgung im Camp und in den Zelten bieten zusätzlich sinnvolle Beschäftigung, die einen strukturierten Alltag schafft. Lehr- und Fachkräfte findet der Verein in jedem der Camps, ebenfalls Geflüchtete, die in Schichten unterrichten und arbeiten: morgens für Kinder, nachmittags für Jugendliche und abends für Erwachsene.

Der Libanon kann wegen einer korrupten und untätigen, aber auch mit der Flüchtlingsfrage völlig überforderten Regierung seine Staatsbürger/innen kaum versorgen. Manche Lebensmittel haben sich seit 2019 16-fach verteuert. Dennoch fanden in diesem erschütterten Land mit nur rund sechs Millionen Einwohner/innen beinahe zwei Millionen syrische Menschen Zuflucht, in mittlerweile circa 2000 wilden Camps. In der Region, in der „Zeltschule“ tätig ist, arbeitet der Verein mit einer unabhängigen, privaten libanesischen Organisation zusammen. Der gesamte Wasserbedarf eines Familienzeltes muss mit einem 250 Liter-Tank pro Woche bestritten werden (durchschnittlicher Wasserverbrauch in Deutschland: 120 Liter pro Person und Tag), Klärwagen werden von Zeltschule ebenfalls organisiert und bezahlt, auch medizinische Versorgung wird abgedeckt.

Auch wenn Schillinger anmerkte, dass „unsere Arbeit wie ein Tropfen auf einen heißen Stein“ ist, arbeitet der Verein bewundernswert erfolgreich gemessen an den Hindernissen, die er überwinden muss, und den vielen Leben, die er positiv verändert. Das Engagement ist sehr persönlicher Natur, d.h. dass Jacqueline Flory ihre gesamten Ferienzeiten vor Ort verbringt, und auf ihren Reisen auch selbst noch Dinge des täglichen Bedarfs für Familien verteilt. Der Verein finanziert sich zu 100% aus Spenden, da öffentliche Fördergelder im Libanon nicht dort ankommen, wo sie benötigt werden. Mittlerweile unterstützen 40 Partnerschulen in Bayern die Arbeit des Vereins und nach dem Vortrag bei SI in Lauterbach wurden schon Kontakte geknüpft für erste mögliche Partnerschule(n) in Hessen. Die Arbeit von „Zeltschule“ zieht weitere Kreise, was auch die Veranstalterinnen des Clubs Soroptimist International Lauterbach Vogelsberg sehr freut.

 

Weitere Informationen unter www.zeltschule.org und www.niewiederkrieg.net Die Erlöse des SI-Projektes „Nie wieder Krieg!“ gehen in diesem Jahr an Zeltschule e.V.:

 

Spendenkonto Soroptimist Verein Lauterbach-Vogelsberg e. V.

IBAN DE 56 5199 0000 0001 9031 01

Volksbank Lauterbach-Schlitz eG

 

Foto: SI/Deibel

BU: Projektleiterin „Nie wieder Krieg!“ Ute Kirst, Vizepräsidentin SI Lauterbach-Vogelsberg Imke Grünewald und Zeltschule-Referentin Melanie Schillinger (v.l.) nach dem Vortrag

»Nie wieder Krieg!«  -  Mitmach-Kunst-Aktion des Service-Clubs Soroptimist International Lauterbach-Vogelsberg e.V.

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